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Normalerweise kommentiere ich wenig im Netz, da die Diskussionskultur durch Trolle und anderes ziemlich schlecht ist. Und so sicher bin ich mir nicht mit dem was ich denke, dass ich das anderen aufbürden wollte. :p

Aber trotzdem habe ich mal zu “Das Experiment”, einem Gastbeitrag auf zu der Stimmungsmanipulationsstudie von Facebook, einen Kommentar (sogar mit Klarnamen oO) verfasst, und damit meine lange Abstinenz von öffentlichen Diskussionen abseits Twitter etc. gebrochen. Vielleicht liest’s ja jemand und findet es nachdenkenswert. :p

Um diesen Beitrag ein wenig mit Inhalt zu füllen, vielleicht noch eine Ergänzung.

Ich finde es sehr bemerkenswert wie normal Werbung wahrgenommen wird, als sei es ein Gott-gegebenes Recht von Unternehmen zu “Käufern” degradierte Bürger zum Kauf ihrer Waren zu bewegen, wobei nur in Grenzfällen gesetzliche Hürden gesetzt werden (i. B. bei an Kinder gerichtete Werbung und ironischer Weise, wenn Sie andere Unternehmen zu stark betrifft (Unlauterer Wettbewerb)).

Im Gegensatz zu Kindern, von denen angenommen wird, dass sie nicht fähig sind, den “Wahrheitsgehalt” von Werbung zu durchschauen, wird dem/der Erwachsenen eine “Mündigkeit” als Verbraucher zugeschrieben, bewusst und mit Bedacht das Warenangebot zu betrachten, bevor er/sie eine Entscheidung trifft. Von einem logischen und rationalem Marktteilnehmer/-Innen gehen auch “der” Neoliberalismus aus, dessen Ideologie seit Jahrzehnten immer mehr die Wirtschaftspolitik geprägt hat.

Alleine die Existenz von Werbung müsste dieses Weltbild ins Wanken bringen, denn es ist vielerlei in Studien (sorry, müsst selber suchen :p) gezeigt worden, dass auch darauf achtende Menschen leicht von ihr beeinflussbar sind, und insbesondere in der Überflutung von verschiedensten Informationen nicht alle in den Entscheidungsprozess einfließen lassen können. Aber Marketing, public relations, Lobbying etc. wird auch gerade von Anhängern des Marktliberalismus betrieben, wobei die “Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft” und die Bertelsmann-Stiftung nur zwei prominente Akteure sind. Kritik an nicht rein informatinsbasierter “Öffentlichkeitsarbeit”, sei es durch Unternehmen, Lobbyisten, oder anderen “Marktteilnehmern”, kenne ich von Markt-liberalen nicht. Das das keine signifikante kognitive Dissonanz auslöst…

Auch ist Werbung in meinen Augen ein signifikantes Volkswirtschaftliches Problem. Alleine die direkte Investition in Werbung beträgt ca. 1% des Bruttoinlandprodukts in Deutschland, oder ca. 30 Milliarden Euro; vermutlich sind darin indirekte Investitionen, wie interne Produktoptimierungen nicht enthalten. Dies ist Produktivkraft, die verschwendet wird, um alleine das Konsumverhalten zu lenken.

Gerade sozial wichtige Bereiche sind hiervon Betroffen, z.B. fließen bei Pharma-Konzernen große Mengen in Werbung, teils mehr als in Forschung und Entwicklung (siehe z.B. diesen Spiegel Artikel). Dabei ist noch nicht berücksichtigt, dass die Grundlagenforschung die Innovationen erst ermöglicht, größtenteils aus öffentlichen Mitteln finanziert wird. Des weiteren wird durch Lobbying versucht besonderer Schutz fuer Pharma-Unternehmen durch internationale Abkommen zu erreichen, um z.B. den großen Generika Markt in Indien, von dem u. A. Staaten in Afrika stark profitieren, zu sabotieren. (Eine humorige Entgleisung eines Pharmavertreters ist hier ein Interview geführt von Martin Sonneborn)

Dies nur so als ein Paar Beispiele warum ich es, wie Eingangs erwähnt, bemerkenswert finde, dass Werbung eine so prominente Stellung in unserer Gesellschaft einnehmen kann. Andere kritische Beispiele finden sich z. B. in den Werken von Noam Chomsky, aber auch Systemtragende sollten Grund haben da sich zu wundern.



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